Die zehnjährige Kira wünscht sich nichts sehnlicher als ein Känguru. Als sie von ihrem Vater eines Tages einen Computer geschenkt bekommt , springt tatsächlich ein Känguru, das lange durchs Internet gereist ist, aus dem Computer und plumpst auf ihren Schreibtisch - Cangoo. Weitere Tiere und ein 873 Jahre altes Gespenst namens Albert folgen, und alle ziehen zusammen in die alte Villa am Seerosenteich. Sie könnten glücklich zusammen leben, wären da nicht die Rasomiten.

LESEPROBE:

Kapitel 14

Nächtliche Gefahr

In dieser Nacht wachte ich von einem unheimlich lauten Knall auf. Erst wusste ich nicht, ob ich nur geträumt hatte. Ich setzte mich im Bett auf und sah verschlafen auf die Uhr. Es war kurz nach Mitternacht. Dass es mitten in der Nacht im Haus schepperte, war eigentlich nichts Ungewöhnliches. Manchmal, wenn Cangoo vor Hunger nicht schlafen konnte und auf der Suche nach etwas Essbarem im Haus herumgeisterte, stieß er aus Versehen meistens irgendetwas um. Erst gestern hatte eine große chinesische Vase dran glauben müssen. Aber dieser Knall hatte anders geklungen. Gefährlicher. Fast ein wenig bedrohlich. Ich saß im Bett ohne mich zu rühren, und lauschte. Ein paar Minuten lang war nichts mehr zu hören, und ich legte mich beruhigt zurück. In dem Moment hörte ich ein lautes Geräusch, das wie Pferdegetrappel klang. Aber nicht nur von einem Pferd, sondern von mindestens vierzig. Jetzt war ich mir ganz sicher, dass ich nicht träumte. Das Geräusch war wirklich da, und es war ganz in der Nähe. Pferdfreund konnte es nicht sein. Seine Hufe klangen viel leichtfüßiger und eleganter. Besorgt setzte ich mich auf die Bettkante. Ob jemand vergessen hatte, den Fernseher auszumachen? Weil aber keiner schwerhörig war, konnte ich mir das nicht vorstellen. Außerdem wurde bei uns so gut wie nie Fernsehen geguckt. Plötzlich öffnete sich wie von Geisterhand meine Tür einen Spalt. Ich schreckte zusammen. „Wer ist da?“ Keine Antwort. Stattdessen fiel ein schmaler Lichtstrahl in mein Zimmer, der wie der Strahl einer Taschenlampe aussah, und leuchtete den ganzen Raum ab. Aber so sehr ich meine Augen auch anstrengte, ich konnte niemanden sehen. Außerdem blendete mich das Licht. Dann verschwand der Lichtstrahl und es wurde wieder stockduster. Langsam wurde mir nun doch ziemlich mulmig zumute. Ich streifte meine Turnschuhe über, schlich mich leise zur Tür und rannte dann, so schnell ich konnte, im Dunkeln die Treppen runter. Eine Etage tiefer saß Cangoo schlotternd vor Angst auf seinem Bonbon. Er hatte sich in seine himbeerfarbene Decke gewickelt, sodass nur noch seine Augen und großen Ohren oben rausguckten. Das Mondlicht fiel matt ins Zimmer. „Was zum Beispiel war das?“ Aufgeregt kam Mintz hereingeflattert. „Räuber, Schurken, Gangster, Ganoven“, krächzte er. Plötzlich brüllte Cangoo: „Ergib dich, oder du bist ein toter Mann.“ Wild boxte er um sich. Aber es war nur Noko, der sich klammheimlich unter Cangoos Decke geschlichen hatte und nun am ganzen Körper vor Angst zitterte. „Du Depp“, sagte Cangoo etwas beruhigt. „Kannst du nicht vorher anklopfen?“ Noko brachte kein Wort heraus und klapperte nur mit der Zahnspange. Da ging die Tür schwungvoll auf, und Pferdfreund, der in einem seidenen Pyjama selbst nachts noch tipptopp gekleidet war, trabte herein. Im Hintergrund war noch immer das laute Hufgetrappel zu hören. „Wer soll denn bei diesem Höllenlärm schlafen?“, beklagte er sich. „Woher kommt der Krach überhaupt?“

„Räuber, Schurken, Gangster, Ganoven“, krächzte Mintz wieder und flog auf Pferdfreunds Rücken, wo er sich ängstlich an dessen Pyjama festkrallte. In dem Moment erklang aus der obersten Etage ein so gellender Schrei, dass alle zusammenzuckten. Darauf folgten ein lautes Tuten wie von einer Schiffssirene und das Geräusch von zersplitterndem Glas. Dann wieder donnernde Hufe. Cangoo standen alle Haare zu Berge, und Noko, der schon völlig aufgelöst vor Angst war, klapperte noch lauter mit seiner Spange. „Pferde“, flüsterte Watahulu in die plötzlich entstandene Stille. Pferdfreund nickte. „Aber keine normalen Pferde. Das sind Schlachtrösser. Wie sie im Mittelalter vorgekommen sind.“ Noko schlotterte immer noch. „Schlachtrösser?“ Pferdfreund nickte. „Sehr große, breite Pferde, die mit schwer bewaffneten Reitern auf dem Rücken in die Schlacht gezogen sind.“ Mit einem Mal ging die Tür einen Spalt auf. Alle fuhren zusammen. Aber es war nur mein Vater. Er sah schlaftrunken in die Runde. „Was hat dieser Lärm zu bedeuten? Und wieso hockt ihr alle im Dunkeln?“

„Wenn wir das große Licht anmachen, entdecken sie uns vielleicht“, raunte Cangoo. „Und dann sind wir dran.“